Freitag, 20. März 2015

ZÄHNE ZUSAMMENBEISSEN

Am nächsten Morgen nachdem ich Michèle in Lugano auf den Bahnhof gefahren habe, damit sie den Zug zurück nach Zürich nehmen kann, hab ich mich - mit einem Gefühl von Abenteuerlust gemischt mit Selbstzweifel an meinem Verstand - Richtung Süden gemacht. Ich war gerade einmal 10 Kilometer nach der italienischen Grenze, als die ersten Tropfen fielen. Ich montierte kurzerhand meine Regenhosen, die ich eigentlich nur für den absoluten Notfall mitgenommen habe, und liess mich nicht von meinem Plan abbringen. Knapp eine Stunde Fahrt später traf ich in Varese ein. Ein Blick auf die Karte verriet mir, dass ich noch etwa 6 Stunden Fahrt vor mir hatte bis ich in Monaco bin. Da der Regen etwas nachgelassen hatte schöpfte ich jedoch neue Hoffnung.

Nach einer kurzen Pause in Vercelli - eine Stadt so verkommen und arm, dass ich mich nicht getraute, meine Vespa aus den Augen zu lassen und dehalb einen kurzen Snack auf der Vespa genoss - verfolg meine Hoffnung, denn der Regen setzte wieder ein. Diesmal sollte er nicht mehr aufhören bis ich mein Ziel in rund 250 km erreicht habe.

Meine Zweifel, das Ziel noch am selben Tag zu erreichen, wuchsen mit jedem Kilometer, denn es war schon nach 14.00 Uhr als ich in Vercelli weiterfuhr. Also habe ich mir ein Zimmer in einem B&B in Cuneo gebucht, gemäss Google Maps noch ca. zweieinhalb Stunden Fahrt. Die Reise ging also weiter. 10 Kilometer nach Vercelli wollte ich tanken, denn ich hatte noch für knapp 40 Kilometer tank. Bis zur nächsten grösseren Stadt Asti waren es noch etwas über 50 Kilometer. Die Rechnung ging also nicht auf. Aber ganz ehrlich, habt ihr schon mal versucht an einem Sonntag auf dem italienischen Mittelland zu tanken? Volltanken kostet bei meiner Vespa 8 Euro, ich hatte nur einen 50 Euro Schein, Maestro Karte kennen die Tankautomaten nicht, und nicht nur die Tankstellen sind wie ausgestorben, auch in den Dörfern findet man keine Menschenseele die einem den Schein kleiner machen könnte. Ja nicht einmal ein Restaurant oder ein Laden hatte geöffnet. Der erste Tankautomat spukte meine Maestro Karte wieder aus, der zweite ebenfalls und als ich schon auf Reserve fuhr, wurde ich langsam wirklich nervös. An der nächsten Tankstelle versuchte ich meine ganze Sammlung an Karten aus, und siehe da, dieser Automat akzeptierte meine Kreditkarte. Nochmals Glück gehabt!

Total beschwingt fuhr ich durch die malerischsten Städtchen des Piemonts: leichte Rebhügel, Terrakotta Villen mit Zypressenalleen und Steinhäuschen an jeder Ecke, nur der Regen trübte das Bild und ich fing langsam an zu frieren und mein Hunger plagte mich ebenfalls. Nachdem ich Asti hinter mir gelassen hatte, war mein nächstes Ziel die Touristenstadt Alba in der Hoffnung, dort etwas Essbares zu finden und mich etwas aufzuwärmen. Tatsächlich fand ich ein typisches italienisches Kaffee in dem ich mir zwei wärmenden Tees, einem Cappuccino und drei Stückchen Pizza gönnte. Über zwei Stunden später, in der Zwischenzeit war es 18.00 Uhr, machte ich mich auf die letzten 70 Kilometer die ich noch vor mir hatte.

Ich sag euch, es waren die schlimmsten zwei Stunden die ich auf dieser Reise erlebt habe. Die Strassen waren überflutet, meine Kleidung und Ausrüstung komplett durchnässt und es wurde langsam dunkel und somit auch kälter. Die dutzend Kreisel machten die Fahrt noch anstrengender, da ich ständig mit dem Hinterreifen abrutschte - die reine Tortur. die letzten 14 Kilometer nach Cuneo waren die Hölle. Im Glauben endlich angekommen zu sein, suchte ich die Strassen nach dem B&B ab. Nachdem ich jedoch die Adresse nirgends finden konnte und auch jetzt noch keine Menschenseele auf der Strasse zu finden war, die mir Auskunft geben konnte, hab ich der Wirtin angerufen. Die Kommunikation stellte sich als sehr schwierig heraus, da ich kaum und sie ausschliesslich Italienisch sprach. Ich erfuhr trotzdem, dass das B&B eigentlich nicht in Cuneo selber, sondern in einem Dorf namens Boves auf dem Berg nach Cuneo ist. Völlig abgelöscht und ungläubig über mein Pech, quälte ich mich die 7 Kilometer in das Dorf namens Boves. Eine weitere Stunde später - ja ich musste wieder sehr lange suchen bis ich es gefunden habe - fühlte ich mich, als ob ich in einem überdekorierten Himmel mit Warmwasseranschluss angekommen bin. Ich hab in meinem Leben noch nie ein warme Dusche und ein trockenes Bett so sehr herbeigesehnt. Es war die pure Erfüllung als ich nach literweise Tee und 4 Stück leckerstem Kuchen nach italienischem Rezept endlich zufrieden einschlief.

Fortsetzung folgt...






Sonntag, 1. März 2015

BEGINN EINER REISE


Meine Resie begann ziemlich unspektakurlär. Ich fuhr mit der vollbepackten Vespa an die allerletzte Prüfung meines Studiums überhaupt nach Winterthur. Das nicht genug, ich hatte direkt anschliessend auch noch das Bachelor Endgespräch mit meinem betreuenden Dozenten. Naja man kann sich einen schöneren Start in die Ferien vorstellen.

Auf jedenfalls hab ich es mit dem Ziel vor Augen in weniger als 24 Stunden schon auf dem Weg Richtung bin ich dann von Winterthur das erste mal in meinem Leben Überland nach Zürich gefahren. Dort wartete meine Begleitung und Partner in Crime auf mich.

So gings dann auf durch den Grosstadtjungel in Zürich. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich keinerlei Navigationshilfe mit mir hatte. Lediglich ein Ausdruck von Google Maps fürhte mich bis an die Coté d'Azur. Gut, in der Schweiz hatten wir ja noch das Internet. Zum Glück muss man sagen, denn schon nach Zürich ungefähr auf der Höhe von Rüschlikon haben wir uns schon verfahren und landeten hilflos auf dem einzigen, mir bis dahin noch unbekanten Berg namens Albis. Klar habe ich schon von Ortschaften wie Affoltern am Abis gehört aber, dass das jedoch ein ziemlich hoher Berg ist, ist mir bis dahin entgangen. Das hat mich ein kleines bisschen unsicher gestimmt, ob ich denn auch jemals in Frankreich ankommen werde. So sind wir also nicht wirklich auf direktem Weg, was wenn man ausschliesslich Überland fähr sowieso schwierig ist, sondern eher auf indirektem Weg in die Innenschweiz gefahren.

Durch unzählige malerische Städchen wie Morschach, Flüelen, Wassen und Andermatt fuhren wir durch Orschaften, von denen ich wohl schon gehört habe, man sich auf der Durchreise nach Süden mit dem Auto jedoch definitiv nicht dorhin verirrt. Dieses Gefühl, unglaubliche schöne Dinge zu entdecken und zu erleben hat dort begonnen und bis zum Ende meiner Reise angehalten. In einem kleinen süssen Restaurant kurz vor dem Gotthardpass haben wir uns ein defitges Mittagessen gegönnt und der Vespa eine kurze Verschnauf- beziehungsweise Auskühlpause. Tja und dann stand die nächste Etappe an, bei der wir keine Ahnung hatten, ob das gut gehen kann, wenn zwei Mädels auf einer vollbepackten 125ccm Vespa über den Gotthardpass fahren. Aber Leute ich sags euch, meine kleine süsse Jenna - ja ich nenne meine Vespa Jenna schon seit dem Tag als ich sie im Internet gekauft habe - hat uns mit einem 40er über diesen Hügel namens Gotthard gezogen wie ein fleisiger kleiner Lastesel. Und als es dann wieder bergab ging, haben wir uns sogar auf die alte Gotthardstrasse getraut. So konnten wir den Rest des Weges bis nach Airolo auf einem vor mehr als 100 Jahren gepflasterten Strasse zurücklegen.

Unten angekommen, sind wir durch das ewige Tal bis nach Lugano gefahren. Die heisse Luft hat uns und der Geruch von Zypressen hat uns das Tessin angekündigt. In Lugano angekommen, genossen wir den Abend, denn es war schon halb 5, im wunderschönen Park von Lugano, bis uns ein rabenschwarzer Himmel und ein hefiges Donnergeröll dazu bewegt, hat die Sachen zu packen. Es vergingen keine 5 Minuten und es schüttete in Strömen und aus den kleinen Sommerregen wurde ein heftiges Gewitter mit Hagel und tonnenweise Wasser das vom Himmel viel. Wir retteten uns also in ein Strassencafe und genossen das Abenteuer bei einem Glas Weisswein. Der wurde zwar ohne Eis serviert, die Hagelkörner die es trotz der Regenstoren in unser Glas geschafft haben waren jedoch ein toller Ersatz.

Als der Regen nach zwei Stunden etwas schwächer wurde, sind wir in unser Hotel in Pronte Tresa in Italien gefahren. Und wiedereinmal waren wir ohne Empfang für die Navigation aufgeschmissen, denn unser Hotel klebte an einer dieser steilen Häge und wir brauchten 1h bis wir es gefunden haben. Erschöpft und durchnässt aber glücklich haben wir uns ins Bett geschmissen und sind bis am nächsten Morgen nicht mehr aufgestanden.

Fortsetztung folgt...

PS: Bitte entschuldigt die mittelmässige Qualität meiner Bilder. Ich hatte auf der Reise lediglich mein Handy dabei und ihr wisst ja, dass mein Talent, schöne Fotos zu machen sich in Grenzen hält ;)










Dienstag, 4. November 2014

KOMFORTZONEN IM SOMMER


Leute, es ist unglaublich, wie viel Zeit vergangen ist seit das letzte Mal berichtet hab. Da war ja noch Miami aktuell! Natürlich möchte ich euch meine Erfahrungen von Miami nicht vorenthalten, aber da ich in der Zwischenzeit nochmals in den Genuss eines langen Sommers gekommen bin – um genau zu sein wahrscheinlich der letzte für einige Jahre, da ich jetzt nicht mehr zu den glücklichen Studenten gehöre, die ganze 3 Monate die Welt bereisen können – möchte ich euch von meinem letzten Abenteuer erzählen. Ich nenne es absichtlich mein Abenteuer, denn wie sagt man so schön: Life begins at the end of your comfort zone und das was ich diesen Sommer erlebt habe war definitiv ausserhalb meiner Komfortzone.

Es war so: Ich war wieder einmal auf der Suche nach einer Möglichkeit den Sommer mit etwas sinnvollem zu verbringen. Klar hätte ich auch 10 Wochen in der Sonne liegen können oder zu Hause das süsse Nichtstun geniessen, wollte ich aber nicht. Also hab ich mir in den Kopf gesetzt, dass ich einen Sommer an der Côte d’Azur verbringen will. Da ich natürlich nicht im Sinn hatte, normale „Hotel am Strand“ Ferien zu machen, was auf Zeit und alleine ja auch ganz schön langweilig sein würde, hab ich mich erst einmal bei Freunden und Bekannten die Beziehungen an die Côte haben umgehört. Als diese jedoch niemanden kannten, der mir Asyl bieten wollte, hab ich mich im Internet schlau gemacht. Da fand ich eine Seite die heisst workaway.info. Ich sag euch, das war die Entdeckung des Jahres! Nachdem man sich kostenpflichtig angemeldet hat, kann man auf der ganzen Welt Leute finden, die irgendeinen Bedarf an Hilfe haben. Sei dies in der Familie, in eigenen Hostel, auf der Farm oder einem Naturprojekt. Man kann es sich kaum vorstellen, aber man findet da sogar in der hintersten Ecke dieser Welt jemanden, der dir für deine Hilfe Kost und Logis anbietet. Und tatsächlich fand ich da eine Dame namens Brigitte, die Hilfe bei Ihrem riesigen Garten in Roquebrune Cap Martin benötigte. Mein ursprünglicher Plan war es zwar die südlichere Region der Côte d’Azur zu erkunden, doch das Angebot von Brigitte klang zu verlockend. Ein anderer Plan war es, diese Reise mit meiner Vespa, ich nenne sie liebevoll Jenna, anzutreten. Als ich mir so meine Gedanken machte, wie ich mich dort unten zwischen Monaco, Nizza und Cannes bewegen sollte, erschien mir dies als die beste Lösung. Alle Welt hielt mich für verrückt. Mit einer 125 cc Vespa fährt man doch nicht bis nach Nizza? Naja, ich schon, und genau da begann meine Reise…

Fortsetzung folgt…